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Unser Übungsleiter Michael Mosburger befindet sich momentan zum promovieren in Detroit/USA. Er hat einen interessanten Bericht über seine dortigen Motorsport-Aktivitäten geschickt.
Er schreibt: Also, ich fahre für meine Uni, die “University of Michigan”. Unser Auto ist traditionell auf den Namen “Wolverine” getauft. Die Serie heißt Formula SAE (in Deutschland auch unter Formula Student bekannt). Im Wesentlichen ist das ein Design- und Engineering-Wettbewerb für Studenten unter dem Dach der SAE (Society of Automotive Engineers). Das Ganze ist als Weltmeisterschaft ausgeschrieben. Es gibt jedes Jahr 9 Events auf der ganzen Welt. Die Fahrzeuge müssen allesamt von Grund auf von den Studenten einer Universität konstruiert und gebaut werden. Die Motoren haben 600 cm3 und werden wahlweise mit 100-Oktan Benzin oder mit E85 (85% Ethanol, 15% Benzin) betrieben. Turbo- oder Kompressor-Aufladung ist erlaubt. Die Leistung wird durch den Querschnitt im Ansaugrohr begrenzt. In der Regel verwenden die meisten Teams 4-Zylinder Motoradmotoren, die allerdings zum Teil stark modifiziert werden. Allerdings gibt es auch einige Teams mit 1-Zylinder Motoren, die natürlich deutliche Gewichtsvorteile aber Leistungsnachteile haben. Manche Teams holen bis zu 120 PS aus den Motoren raus (mit Turbo). Unser Getriebe ist ein sequenzielles 6-Gang-Getriebe wie im Motorrad. Unsere Neutralstellung ist allerdings zwischen Gang 5 und 6, damit besser zwischen Gang 1 und 2 geschaltet werden kann. Im Moment schalten wir manuell mit Ganghebel auf der Seite. In Zukunft gehen wir aber möglicher Weise auf Schaltwippen an Lenkrad. Die Kupplung ist am Lenkrad angebracht. Das Getriebe und die Elektronik ist so abgestimmt, dass beim Schalten nicht gekuppelt werden muss. Wir verwenden einen Motor auf Basis des Honda CBR 600 Motors. Ansaug- und Abgastrakt, Kühlsystem und Einspritzanlage sind komplett selbst gemacht, das Verdichtungsverhältnis erhöht und einiges mehr. Wir fahren außerdem mit E85 Kraftstoff. Unser Fahrzeug wiegt unter 200 kg und beschleunigt 0-100 km/h in 3.7 s. Das Chassis ist ein Rohrrahmen aus einer hochwertigen Stahllegierung, die extreme leicht und verwindungssteif ist. Für die Zukunft denken wir jedoch darüber nach ein Kohlefaser-Monocoque zu entwickeln. Ferner haben wir eine extrem hochentwickelte Motorelektronik im Fahrzeug, welche eine Launch-Control, eine voll-konfigurierbare Traktionskontrolle, die komplette Datenerfassung sämtlicher Drücke und der Temperaturen, die Überprüfung der Drehzahlsensoren, der Pedalstellungen, der Lenkradstellung, des Driftwinkelels und der Roll-und Nickbewegung des Fahrzeugs einschließt. Die Daten werden wie in der Formel 1 live per Telemetrie auf die Computer in der Box übertragen. Wie haben zusammen mit Penske-Motorsport Stoßdämpfer für unser Fahrzeug entwickelt, die auf den Penske Formel 1 und Indycar-Stoßdämpfern basieren, lediglich angepasst auf unsere niedrigeren Geschwindigkeiten und das Fahrzeuggewicht. Die Dämpfer sind in Zug- und Druckstufe stufenlos einstellbar, so dass wir für jede Strecke ein optimales Setup erarbeiten können. Dazu können natürlich die Fahrzeughöhe, die Federhärte und die Drehstabilisatoren für jedes Rad frei eingestellt werden. Die Studenten investieren in der Regel zwischen 30-50 Stunden in der Woche in das Auto, während der Semesterferien auch deutlich mehr. Dann wird Tag und Nacht gearbeitet. Wir bekommen viel Sponsoring aus der Industrie, was in der Regel technische Unterstützung bedeutet. Zum Beispiel dürfen wir die dynamischen Motorenprüfstände von AVL benutzen, die Teststrecke von Ford hier in Detroit, wir bekommen Unterstützung bei der Motorelektronik, bei der Datenerfassung und bei der Telemetrie von Bosch, eine Beratung bei der Fahrwerksabstimmung von Penske und vieles mehr. In der Regel kommt der Kontakt über ehemalige Studenten zustande, die ehemals im Team mitgearbeitet haben und jetzt im Bereich Motorsport tätig sind.
Jeder Event basiert auf einer Vielzahl von Disziplinen. Die Fahrzeuge werden im Vorfeld von den technischen Kommissaren bis aufs Detail inspiziert und getestet ob sie dem Reglement entsprechen. Es werden Punkte vergeben auf den Design-Ansatz, die technischen Ausführungen in verschiedenen Bereichen, die Präsentation der Kostenanalyse und natürlich wird gefahren. Die Fahrwettbewerbe sind: 1) Acceleration (75 Punkte): 75m Geradeaus-Beschleunigung. Die Bestzeiten liegen bei etwa 4 Sekunden (den Weltrekord von 3,6 Sekunden haben wir selbst im Jahr 2007 aufgestellt). Es dürfen 2 Fahrer eingesetzt werden und jeder der beiden hat 2 Versuche, wobei der bessere zählt. 2) Skid-pad (75 Punkte): Es wird mit Pylonen eine Acht aufgebaut. Jeder Kreis wird zweimal durchfahren. Die Zeiten für jeweils die 2. Runde zählen und werden zusammengezählt. Auch hier liegen die Bestzeiten bei etwa 4 Sekunden. Es dürfen wiederum 2 Fahrer eingesetzt werden, jeder der beiden hat zwei Versuche und der beste zählt. 3) Autocross (100 Punkte): Ein Parcours mit Pylonen wird einzeln durchfahren (wie beim Kartslalom). Der Start erfolgt mit kalten Reifen. Motoraufwärmen ist erlaubt. Zwei Fahrer wie gehabt. 4) Endurance (300 Punkte + 100 Punkte für den Kraftstoffverbrauch): Ein Parcours mit Pylonen wird mehrmals durchfahren. Insgesamt 22 km Rennlänge. Nach der Hälfte der Distanz muss der Fahrer gewechselt werden. Die komplette Zeit für die 22 km zählt. Mit in die Wertung fließt auch der Kraftstoffverbrauch ein. Außerdem gibt es nur Punkte wenn das Auto ins Ziel kommt. Schnell fahren ist also gut, aber nicht der einzige Aspekt der von Fahrer und beim Bau des Autos berücksichtigt werden muss.
Insgesamt müssen im gesamten Event mindestens 4 verschiedene Fahrer eingesetzt werden. Ich bin dieses Jahr Autocross und Endurance gefahren. So, jetzt fällt mir grad nicht mehr ein. Ich schicke ein Video mit, das wir letzten Sonntag beim Testen aufgenommen haben mit der On-Board-Kamera als ich gefahren bin.
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